Finnland verfügt über ein robustes Sozialsystem, das die Grundlage für Mitarbeiterleistungen und Ansprüche bildet. Arbeitgeber spielen eine bedeutende Rolle bei der Beitragserhebung zu diesem System, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter Zugang zu wichtigen Leistungen und finanzieller Unterstützung während verschiedener Lebensereignisse haben. Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus haben finnische Mitarbeitende oft hohe Erwartungen hinsichtlich zusätzlicher Leistungen, die als entscheidende Komponenten eines wettbewerbsfähigen Vergütungspakets angesehen werden. Das Verständnis sowohl der verpflichtenden Verpflichtungen als auch der gängigen ergänzenden Angebote ist für Unternehmen, die in Finnland tätig sind oder dort einstellen möchten, entscheidend.
Die Bewältigung der Komplexität finnischer Arbeitsgesetze und Leistungspraxen erfordert eine sorgfältige Detailarbeit. Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben ist unverhandelbar, während das Angebot attraktiver optionaler Leistungen unerlässlich für die Talentgewinnung und -bindung in einem wettbewerbsintensiven Markt ist. Die Struktur der Leistungspakete kann variieren und wird durch Faktoren wie Branchenstandards, Unternehmensgröße sowie die spezifischen Bedürfnisse und Erwartungen der Belegschaft beeinflusst.
Gesetzliche Leistungen
Das finnische Recht schreibt mehrere zentrale Leistungen und Beiträge vor, die Arbeitgeber bereitstellen müssen. Diese dienen dem Schutz der Mitarbeitenden und der Gewährleistung sozialer Wohlfahrt. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird strikt durchgesetzt.
- Jahresurlaub: Mitarbeitende haben Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub. Die Höhe wird in der Regel auf Basis der Beschäftigungsdauer berechnet. Bei einer Beschäftigung von weniger als einem Jahr erwerben Mitarbeitende normalerweise 2 Urlaubstage pro Monat. Nach einem Jahr Dienstzeit erhöht sich dieser Anspruch auf 2,5 Tage pro Monat, was für Beschäftigte bei einer 5-Tage-Woche mindestens 30 Tage (fünf Wochen) pro Jahr ergibt. Der Zeitpunkt des Urlaubes wird in der Regel zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitendem vereinbart, wobei der Arbeitgeber innerhalb bestimmter Grenzen das letzte Wort hat.
- Gesetzliche Feiertage: Finnland observed mehrere gesetzliche Feiertage, an denen Mitarbeitende in der Regel frei haben und bezahlt werden. Wer an einem Feiertag arbeiten muss, erhält in der Regel eine erhöhte Vergütung, oftmals auch den Doppelten Lohn.
- Krankheitsurlaub: Mitarbeitende haben Anspruch auf bezahlten Krankheitsurlaub im Falle von Krankheit oder Verletzung. Dauer und Höhe der Krankheitsvergütung werden oft durch Kollektivverträge geregelt, wobei gesetzliche Mindeststandards gelten. Typischerweise zahlt der Arbeitgeber für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 10 Tage) das volle Gehalt; danach kann Anspruch auf Krankengeld durch die Sozialversicherungsanstalt Finnlands (Kela) bestehen.
- Elternurlaub: Finnland verfügt über umfassende Regelungen zum Elternurlaub, inklusive Mutterschafts-, Vaterschafts- und Elternzeit, die zwischen den Eltern aufgeteilt werden kann. Das System gewährt Zuschüsse durch Kela, und viele Kollektivverträge oder Arbeitgeberrichtlinien ergänzen diese Leistungen, manchmal eingeschlossen bezahlte Urlaubsperioden über die Kela-Zuschüsse hinaus.
- Sozialversicherungsbeiträge: Arbeitgeber sind verpflichtet, Beiträge zu verschiedenen Sozialversicherungssystemen zugunsten ihrer Mitarbeitenden zu leisten. Diese umfassen:
- Erwerbsunfähigkeitsrente (TyEL)
- Arbeitslosenversicherung
- Unfall- und Berufskrankheitenversicherung
- Gruppenkraftfahrzeugversicherung
- Krankenversicherung (Teil des gesamten Sozialversicherungsbeitrags)
Die Beitragssätze werden jährlich festgesetzt und stellen eine bedeutende Kostenposition für Arbeitgeber dar. Die Einhaltung beinhaltet die korrekte Berechnung und fristgerechte Zahlung dieser Beiträge an die entsprechenden Versicherungsstellen.
Gängige optionale Leistungen
Obwohl rechtlich nicht vorgeschrieben, bieten viele finnische Arbeitgeber ergänzende Leistungen an, um Talente anzuziehen und zu binden. Diese Leistungen werden von Mitarbeitenden hoch geschätzt und tragen zu einem wettbewerbsfähigen Vergütungspaket bei.
- Zuzahlende Krankenversicherung: Trotz eines öffentlichen Gesundheitssystems bieten viele Arbeitgeber private Krankenversicherungen an. Diese können schnelleren Zugang zu Facharztterminen, eine größere Auswahl an Ärzten oder Kliniken sowie Kostenübernahmen bei Behandlungen, die vom öffentlichen System nicht vollständig abgedeckt sind, gewähren. Dies ist eine sehr gefragte Leistung.
- Mittagsgutscheine oder -zuschüsse: Die Bereitstellung von Mittagsleistungen, meist durch elektronische Gutscheine oder eine subventionierte Kantine, ist äußerst üblich. Diese Leistung ist steuerlich begünstigt bis zu einem bestimmten Betrag und eine Standarderwartung bei Mitarbeitenden.
- Sport- und Kulturleistungen: Arbeitgeber stellen oft eine steuerfreie Leistungszulage bereit, die Mitarbeitende für sportliche Aktivitäten, kulturelle Veranstaltungen oder wellnessbezogene Services nutzen können. Dies fördert das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und ist eine beliebte Zusatzleistung.
- Firmenwagen oder Verkehrsleistungen: Abhängig von der Position könnte ein Firmenwagen bereitgestellt werden, insbesondere für Tätigkeiten mit viel Reisetätigkeit. Alternativ bieten Arbeitgeber Zuschüsse für öffentliche Verkehrsmittel an.
- Mobiltelefon und Internet: Die Bereitstellung eines Firmenhandys und die Übernahme der Internetkosten für dienstliche Zwecke sind gängige Praxis und werden oft auch für die private Nutzung als steuerpflichtiger Vorteil gewertet.
- Zusätzliche Altersvorsorge: Während die obligatorische TyEL-Rente das primäre System ist, bieten einige Arbeitgeber zusätzlich freiwillige Altersvorsorgepläne an, um die gesetzliche Rente zu ergänzen.
- Weiterbildung und Entwicklung: Investitionen in Mitarbeiterschulungen und berufliche Weiterentwicklung sind eine gängige Leistung, um Personal zu binden und die Kompetenzen zu verbessern.
Die Erwartungen der Mitarbeitenden hinsichtlich dieser Leistungen sind hoch, insbesondere in wettbewerbsintensiven Branchen. Ein umfassendes Paket optionaler Leistungen ist oft ein entscheidender Faktor bei der Wahl zwischen Jobangeboten.
Krankenversicherung
Finnland verfügt über ein universelles öffentliches Gesundheitssystem, das durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge finanziert wird. Alle Einwohner, inklusive Mitarbeitende, sind durch dieses System gedeckt. Arbeitgeber tragen zu den Kosten der Krankenversicherung im Rahmen der Sozialversicherung bei.
- Öffentliche Gesundheitsversorgung: Mitarbeitende haben Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten, einschließlich Primärgesundheitszentren und Krankenhäusern. Der Zugang basiert in der Regel auf Bedarf, und die Kosten für Besuche und Behandlungen werden subventioniert.
- Berufliche Gesundheitsversorgung: Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Gesundheitsdienste am Arbeitsplatz für ihre Mitarbeitenden zu veranlassen und zu bezahlen. Dies umfasst präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit sowie Gesundheitschecks. Es kann auch grundversorgerähnliche medizinische Leistungen einschließen, abhängig vom Arbeitgeberarrangement.
- Ergänzende Privatversicherung: Wie unter optionalen Leistungen erwähnt, stellen viele Arbeitgeber private Krankenversicherungen bereit. Diese ersetzen nicht die öffentliche oder berufliche Gesundheitsversorgung, bieten aber zusätzliche Zugänge und Wahlmöglichkeiten. Die Kosten hierfür variieren je nach Leistungsumfang sowie Alter- und Gesundheitsprofil der Mitarbeitendengruppe.
Die Compliance für Arbeitgeber umfasst die korrekte Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge sowie die ordnungsgemäße Organisation und Finanzierung der obligatorischen beruflichen Gesundheitsversorgung.
Renten- und Pensionspläne
Das finnische Rentensystem basiert hauptsächlich auf der obligatorischen erwerbsbezogenen Rente (TyEL).
- Erwerbsbezogene Rente (TyEL): Sowohl Arbeitgeber als auch Mitarbeitende leisten Beiträge an das TyEL-System. Die Beiträge werden prozentual zum Gehalt des Mitarbeitenden berechnet, wobei der Arbeitgeber den größeren Anteil zahlt. Diese Beiträge finanzieren die zukünftige Rente des Mitarbeitenden, basierend auf den Einkommen während der gesamten Beschäftigungszeit. Arbeitgeber sind verantwortlich für die Berechnung, Zahlung und Abführung ihres Anteils sowie die Einbehaltung und Abführung des Anteils der Mitarbeitenden.
- Staatliche Rente: Zusätzlich zu TyEL gibt es eine basisorientierte staatliche Rente, die ein Mindesteinkommen für Personen mit wenig oder keiner erwerbsbezogenen Rente sicherstellt. Arbeitgeber leisten hier in der Regel keine direkten Beiträge; sie wird durch allgemeine Steuereinnahmen finanziert.
- Ergänzende Pensionspläne: Einige Arbeitgeber bieten freiwillige Zusatzpensionspläne an. Diese sind weniger üblich als in anderen Ländern, können aber als Instrument zur Führung von Führungskräften oder langfristigen Mitarbeitendenbindung genutzt werden. Beiträge zu diesen Plänen werden meist zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitendem vereinbart oder sind im Arbeitsvertrag oder Kollektivvertrag geregelt.
Die Einhaltung der Pensionsanforderungen umfasst die korrekte Berechnung und Zahlung der TyEL-Beiträge an eine zugelassene Pensionsversicherungsgesellschaft.
Typische Leistungspakete
Die Leistungspakete in Finnland können je nach mehreren Faktoren erheblich variieren.
- Branche: Bestimmte Branchen haben möglicherweise spezifische Kollektivvereinbarungen, die Leistungen über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus vorschreiben. Zum Beispiel bietet die Technologiebranche oft umfangreichere optionale Leistungen wie großzügige Weiterbildungsbudgets oder Aktienoptionen, während die Produktion andere Regelungen bezüglich Schichtarbeit oder spezieller Versicherungen haben könnte.
- Unternehmensgröße: Größere Unternehmen bieten in der Regel umfangreichere und vielfältigere Leistungspakete im Vergleich zu kleineren Unternehmen. Sie verfügen oft über mehr Ressourcen für zusätzliche Krankenkassenleistungen, breitere Wellnessprogramme und strukturierte Weiterbildungsangebote. Kleinere Unternehmen konzentrieren sich möglicherweise auf die begehrtesten Leistungen wie Mittagsscheine und Grundversorgung im Gesundheitsbereich.
- Mitarbeitende und Senioritätsstufe: Führungs- oder leitende Positionen sind häufig mit erweiterten Leistungen verbunden, etwa umfassendere Krankenversicherungen, größere Dienstwagen oder zusätzliche Pensionsleistungen.
- Kostenüberlegungen: Die Kosten der Leistungen sind für Arbeitgeber eine bedeutende Variable. Gesetzliche Sozialversicherungsbeiträge stellen einen erheblichen Anteil der Lohnkosten dar. Optionale Leistungen erhöhen die Kosten weiter, die die Arbeitgeber im Hinblick auf das Budget und die Wettbewerbsfähigkeit im Arbeitsmarkt ausbalancieren müssen. Die Gesamtkosten eines Mitarbeitenden umfassen neben dem Bruttogehalt auch alle obligatorischen und optionalen Leistungskosten.
Wettbewerbsfähige Leistungspakete sind entscheidend, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Arbeitgeber benchmarken ihre Angebote häufig anhand branchenüblicher Standards und wichtiger Wettbewerber, um sicherzustellen, dass sie den Erwartungen der Mitarbeitenden entsprechen oder diese übertreffen. Das Verständnis dieser typischen Strukturen hilft Unternehmen, Leistungsverzeichnisse zu entwickeln, die sowohl konform als auch attraktiv sind.
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